Pressemitteilung zur 

Projektwoche "TMS-FOR-FUTURE"

 

Der Klimawandel ist aktuell in aller Munde. Schüler gehen jeden Freitag auf die Straße, um für mehr Umweltschutz zu streiken, Politiker überdenken ihre Positionen und immer mehr Menschen wird klar: GENAU JETZT - und nicht irgendwann einmal - ist der richtige Zeitpunkt, um sich für einen nachhaltigeren Umgang  mit unserer Welt einzusetzen, damit auch unsere Kinder noch einen lebenswerten Planeten bewohnen können und nicht unter den Folgen der jetzigen Umweltzerstörung leiden müssen.

Wenn wir Lehrer sehen, wie Schüler schwänzen, um sich für mehr Klimaschutz stark zu machen, sind wir oft hin und her gerissen. Einerseits können wir das natürlich nicht gutheißen. Schließlich ist es ja unsere Aufgabe, das Schulschwänzen mit Disziplinarmaßnahmen, unentschuldigten Fehltagen und Ordnungswidrigkeitsverfahren zu ahnden um die Schüler davon abzuhalten. Aber andererseits sind wir maßlos stolz auf unsere Schüler, wenn wir sehen, wie sie sich selbständig mit komplexen naturwissenschaftlichen Themen auseinandersetzen, sich mit Wissenschaftlern austauschen, sich selbst eine Meinung bilden und den Mut aufbringen, diese Meinung auch gegen viele Widerstände  zu verteidigen. Ein großer Teil unserer Arbeit, sei es in Erdkunde, Geschichte, Biologie, Physik oder Politik ist es, diese Kompetenzen in unseren Schülern zu wecken. Noch dazu sind viele von uns der Meinung, dass die Forderungen der Schüler durchaus sinnvoll und ihre Kritik mehr als angebracht ist. Doch wie können wir unsere Schüler bei dieser wichtigen Sache unterstützen, ohne dabei ihre Unterrichtspflicht und unseren Lehrauftrag zu vernachlässigen?

An der Thomas-Mann-Schule Northeim wollen wir hierbei neue Wege beschreiten.

Statt über das Thema „Schulschwänzen für das Klima -  erlaubt oder verboten?“ zu diskutieren, gehen wir die Sache direkt an und reden mit unseren Schülern konkret über die Probleme und auch über mögliche Lösungen.

Dazu planen wir vom 20. bis 24. Mai eine Projektwoche zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit unter dem Motto „TMS-FOR-FUTURE“. Wir laden dazu auch Redner der „Fridays for Future“ Gruppe aus Göttingen ein, die uns und unseren Schülern ihren Standpunkt erläutern werden.

Von Montag bis Donnerstag beschäftigen wir uns dann schulweit eine ganze Woche lang in Kleingruppen mit folgenden Themen:

1.         Plastik: „Ist doch nur ´ne Tüte – Sagten 500 Millionen Menschen“

2.         Regionale Produkte:  „Regional is(s)t besser“

3.         Tierhaltung:  „Fleisch jeden Tag – zu welchem Preis?“

4.         Shopping:  „Leben in der Wegwerfgesellschaft?“

5.         Energie:  „Dreckiger Strom, sauberer Strom…?“

6.         Mobilität:  „Mal eben mit dem SUV zum Bäcker?“

7.         Wasser: „Erst wenn der Brunnen trocken ist, schätzt man das Wasser"

8.         Upcycling: “Aus Alt mach Neu”

 

(Hier haben wir für unsere Schüler die einzelnen Projekte
in Mini-Videos vorgestellt: www.tms-northeim.de/projektwoche )

 

 

Unser Anliegen ist es, den Schülern nicht nur die Dringlichkeit der Probleme bewusst zu machen, sondern auch ganz gezielt gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Wir wollen ihnen dabei sowohl Ideen an die Hand geben, die sie selbst umsetzen können, als auch mit ihnen darüber diskutieren, wo wir als Gesellschaft etwas anders machen könnten und sollten. Unter diesem Aspekt nehmen wir natürlich auch die Forderungen der „Fridays for Future“ Schüler und die Aussagen der „Scientists for Future“ ganz genau unter die Lupe. Um die Themen noch „greifbarer“ zu machen, planen wir für jede Projektgruppe Ausflüge. So fahren wir z.B. zu einem besonders nachhaltig arbeitenden Bio-Bauernhof in Düna, besuchen in Göttingen und Hannover Läden wie „Wunderbar unverpackt“ und „Greenality“, besichtigen die Solaranlage in  Nörten-Hardenberg und informieren uns in der Autostadt Wolfsburg und der Phaeno über Elektromobilität und erneuerbare Energiequellen. Um diese vielen Ausflüge zu ermöglichen – und das auch für finanziell nicht so gut gestellten Schüler - unterstützt unser Förderverein die Projektwoche und hat zu diesem Zweck sogar eine Spendenkampagne ins Leben gerufen: www.gofundme.com/tms-for-future  

Aber auch die praktische Arbeit kommt in der Projektwoche nicht zu kurz: Bei täglich stattfindenden „Garbage Runs“ verbinden wir sportliches Joggen mit Müllsammeln rund um unsere Schule, in Northeim und bis hoch zum Wieter. Und um beim Thema „erneuerbare Energiequellen“ nicht nur in bloßer Theorie zu verharren, arbeiten einige Schüler und Lehrer in enger Absprache mit unserem Schulträger, dem Landkreis und ansässigen Elektrikern an ganz konkreten Plänen für eine Solaranlage auf unserem Schuldach.

Durch diese intensive Aufarbeitung des Themas aus ganz unterschiedlichen Perspektiven wollen wir unseren Schülern Hintergrundwissen mitgeben, das es ihnen ermöglicht, sich selbst eine fundierte und begründete Meinung zu bilden.

Immer wieder hört man die Kritik an den "Fridays for Future" Schülern, diese würden ja nur schwänzen wollen oder sie wüssten ja über die eigentlichen Probleme gar nicht Bescheid. Diesen Vorwürfen wollen wir begegnen, indem wir unseren Schülern nicht nur Informationen, positive Beispiele und Lösungsvorschläge an die Hand geben sondern auch, indem wir sie ermutigen, sich kritisch und konstruktiv an der Diskussion zu beteiligen.

Nachdem wir von Montag bis Donnerstag intensiv an den einzelnen Themen gearbeitet haben planen wir für den Freitag dann noch etwas ganz Besonderes:

Wir gehen als ganze Schule auf die Straße und ziehen durch unsere Stadt. Solidarisch mit den Schülern von „Fridays for Future“ wollen wir mit all unseren Schülern und all unseren Lehrern auf die Dringlichkeit der Probleme aufmerksam machen. Dabei planen wir diesen Tag ganz bewusst NICHT unter dem Titel "Schulstreik". Vielmehr wollen wir auf diese Weise Ideen und Lösungsvorschläge aus unserer Projektwoche der Northeimer Öffentlichkeit in verschiedensten Formen präsentieren und im Idealfall darüber mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt ins Gespräch kommen und vielleicht den ein oder anderen tatsächlich zum Umdenken bewegen. Natürlich werden wir auch örtliche Politiker hierzu einladen und ihnen unsere Ideen ans Herz legen.

Als Abschluss der Projektwoche soll diese Aktion nicht nur die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem „Klimawandel“ und „Nachhaltigkeit“ lenken. Wir Lehrer sehen darin auch einen der zentralen Aspekte unseres Berufes: Unsere Aufgabe ist es eben nicht bloß, Kindern reines Wissen zu vermitteln. Weitaus wichtiger ist es, die in Ihnen schlummernden Kompetenzen zu wecken und ihnen dabei zu helfen, mündige Bürger unserer Gesellschaft zu werden. Ihnen dabei zu helfen, auf Grundlage einer fundierten Wissensbasis eine eigene Meinung zu bilden, diese klar und deutlich in der Öffentlichkeit zu vertreten, gegen Widerstand und Anfeindungen standzuhalten und sich bei der politischen Meinungsbildung der Gesellschaft aktiv einzubringen: Das ist eine der wichtigsten Aufgaben von uns Lehrern. Und dieser Aufgabe wollen wir mit unserer Projektwoche gezielt nachgehen.